VW in der Krise oder: Was gute Führung ausmacht.

Heute in einem Interview zur aktuellen Lage bei VW gehört: Ein Automobilbranchenexperte sagte einen Satz, der bei mir hängen geblieben ist:
„Angst ist ein guter Motivator, aber ein sehr schlechter Berater."
Ein Satz aus der Wirtschaft, im Kern aber eine systemische Wahrheit.
Angst aktiviert: Sie bringt Systeme in Bewegung, was sich kurzfristig wie Handlungsfähigkeit anfühlt. Doch sie verengt gleichzeitig auch die Wahrnehmung: Wir greifen zur schnellen, absichernden Lösung statt zur abgewogenen Idee.
Die Folge: Silodenken statt Kooperation, Kontrolle statt Vertrauen – genau dann, wenn Organisationen in Veränderung aber genau das Gegenteil bräuchten.
Angst ist dabei kein rein individuelles Gefühl, sondern ein Zustand des gesamten Systems. Sie wandert durch Hierarchien und Entscheidungswege.
Systemtheoretisch kippt Angst oft eine stabilisierende Rückkopplung in eine sich selbst verstärkende Schleife. Neurobiologisch aktiviert Bedrohung die Amygdala, während der präfrontale Cortex – zuständig für Abwägen und Kreativität – herunterfährt. Angst schaltet Systeme, wie Gehirne, von Reflexion auf Reflex.
Zukunftsfähigkeit entsteht nicht im Festhalten am Bekannten, sondern dort, wo ein System trotz Unsicherheit eine Vision hält und kreativ nach Lösungen statt in Abwehr denkt. Systeme in Angst verwalten das Gestern. Systeme mit Richtung gestalten das Morgen.
Meine Aufgabe in Beratung und Mediation: Angst nicht wegreden, sondern ihr einen Raum geben, in dem sie Information sein darf – ohne die Steuerung zu übernehmen.
Wenn wir zurück auf VW schauen: Gute Führung erkennt man nicht daran, wie viel Angst sie erzeugt – sondern daran, wie viel Klarheit sie trotz Unsicherheit ermöglicht.




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