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Habt Ihr wirklich EINEN Konflikt?

4. Sept.
2 Min. Lesezeit

Warum es entscheidend ist, die verschiedenen Anliegen an den Prozess zu verstehen.



"Wir brauchen Unterstützung bei einem Konflikt."


So kam die Auftragslage bei einer Kund:innenanfrage bei uns an. Eigentlich ganz eindeutig.


Aber unsere Vermutung war von Anfang an eine etwas andere: Vielleicht gibt es in besagtem Team gar nicht DEN EINEN Konflikt, sondern mehrere Spannungen, Unsicherheiten und Erfahrungen, die sich überlagern und jetzt so ineinander verhaken, dass das Team sie alleine nicht mehr aufgelöst bekommt.


Die konkrete Rückfrage an die Klientin klang erstmal nach einer Definitionsfrage: Geht es wirklich nur um EINEN Konflikt?


Die Nachfrage brachte aber bereits einen kurzen Denkmoment ins Gespräch und ist für uns aus beraterischer Perspektive eine ganz wesentliche Information.


Denn bevor wir überhaupt anfangen zu intervenieren, muss klar sein: Worüber reden wir eigentlich? Und sind sich die verschiedenen am Konflikt beteiligten Parteien einig über das, was der Konflikt ist?


Das klingt banal, ist es aber selten.


Im weiteren Gespräch zeigte sich dann tatsächlich sehr deutlich: Es ist bislang überhaupt nicht klar, ob alle Beteiligten das selbe Anliegen an die Unterstützung und den Beratungsprozess mit uns haben.


Genau da sehen wir jetzt einen ganz wichtigen Part unserer beraterischen Rolle:


Nicht gleich ins Format springen und nicht vorschnell irgendetwas moderieren oder mediieren wollen – sondern erstmal entschleunigen. Entwuseln, könnte man auch sagen: Mit Team, Geschäftsführung und Vorstand einzeln sprechen, um zu verstehen, was aus welcher Perspektive überhaupt das Thema ist. Und ob es da eine gemeinsame Schnittmenge gibt – oder eben mehrere, ganz unterschiedliche Baustellen, die bisher unter einem Label gelaufen sind.


Erst wenn dieses Bild einigermaßen sortiert ist, lässt sich seriös sagen, welche Interventionsform überhaupt passt.


Prozessberatung? Rollenklärung? Mediation? Konfliktcoaching? Eine Kombination, aber an unterschiedlichen Stellen?


Bestenfalls greifen in komplexen Konfliktlagen verschiedene Formate ineinander – aber eben erst, wenn man weiß, woran man eigentlich wirklich arbeitet.


Manchmal ist der wichtigste Beitrag am Anfang: nicht lösen, sondern erstmal in Ruhe gemeinsam hinschauen.



 
 
 

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