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Fehler machen ist besser, als keine Entscheidung zu treffen.

4. Sept.
2 Min. Lesezeit

Vor einiger Zeit hatte ich ein Vorbereitungsgespräch für einen zweitägigen Workshop und eine ziemlich banale Frage stand im Raum: Fangen wir um 10 oder um 11 Uhr an?


Ein Teil der Teilnehmenden musste anreisen. Eine Führungskraft im Vorbereitungsteam sagte: „Es könnten Leute motzig werden, wenn sie um 7 Uhr in den Zug steigen müssen.“


Auf unserer Themenliste standen zu diesem Zeitpunkt gefühlt schon 15 Themen. Alle wichtig natürlich.


Als Moderatorin wusste ich also: Eine Stunde früher anfangen und/oder aufhören macht einen Unterschied. Für die inhaltliche Dramaturgie, für die Methodik und dafür, ob Themen wirklich bearbeitet oder nur angerissen werden können.


Deshalb sagte ich irgendwann: Lasst uns um 10 Uhr anfangen und die zwei gemeinsamen Tage wirklich gut nutzen.


Die Reaktion? - Das Vorbereitungsteam wollte sich nicht festlegen. Man müsse das noch einmal mit dem Chef abklären.


Ich war ehrlich gesagt für einen Moment sprachlos. Natürlich nicht, weil 10 Uhr die „richtige“ Uhrzeit gewesen wäre, sondern weil hier zwei Führungskräfte im Vorbereitungsteam zögerten, eine kleine, reversible Entscheidung selbst zu treffen.


Und gleichzeitig sollte natürlich alles in diesen zwei Tagen passieren. Mit so ungefähr drei bis vier Nettoarbeitsstunden pro Tag.


In der Retrospektive steckt darin für mich ein ziemlich klares Organisationsdilemma:


Gerade in komplexen Organisationen kann Verantwortung erstaunlich schnell diffus werden. Viele sind beteiligt. Bestenfalls werden viele, vielleicht sogar alle, konsultiert. Entscheidungen werden vertagt, weitergereicht, wegdelegiert oder noch einmal abgestimmt.


Das kann sehr sorgfältig aussehen. Und manchmal ist es das vielleicht auch.


Aber ab wann wird aus sorgfältiger Abstimmung eigentlich Verantwortungsvermeidung?


Gerade in Systemen, die ohnehin überlastet sind und sich schwertun, Fokus zu halten, wird genau das teuer.


Jede vertagte Entscheidung bindet Energie und Zeit, die für die eigentlichen Inhalte fehlt. Nirgendwo wird mal „der Pflock eingeschlagen“.


Eine falsche Entscheidung kann man korrigieren. Man kann daraus lernen und beim nächsten Mal neu entscheiden.


Nicht zu entscheiden ist dagegen keineswegs neutral. Die Entscheidung wird nur später getroffen. Oft von jemand anderem oder schlussendlich von der Situation selbst.


Und zu Führung gehört für mich auch: Nicht jede Entscheidung wird bei allen Begeisterung auslösen. Manche Menschen werden vielleicht sogar "motzig" sein. Das gehört dazu.


Denn Verantwortung zu übernehmen heisst manchmal auch, eine Entscheidung zu treffen, die nicht allen gefällt.




 
 
 

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